DDR Geschichte aus Häftlingssicht

Die Klassen 10a, 10b, 10c und 10d konnten im Rahmen eines Unterrichtsprojektes in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße ein Stück Erfurter Geschichte kennenlernen. Die Gedenk- und Bildungsstätte war in DDR Zeiten ein Gefängnis für sowohl Kriminelle (früher Zellen im 1. Geschoss) als auch überwiegend für politische Gefangene (2.& 3. Stock). Heutzutage ist das Gebäude thematisch in 3 Stockwerke gegliedert: Im obersten befinden sich die Zellen, in der 2. Etage geht es um die Diktatur des SED-Regimes und der erste Stock handelt von der friedlichen Revolution.
Zu Beginn erhielten wir eine Führung, wir lernten die Verzweigung der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) in alle möglichen Richtungen kennen, so etwa Medien, Bildung oder Jugend, etc. Der nächste Raum war mit Comics ausgestattet, deren Geschichten repräsentativ für alle DDR Bürger stehen sollen. Diese hatten nämlich alle eine Gemeinsamkeit: an einem Punkt gab es mehrere Möglichkeiten, wie es weitergehen konnte. Je nach dem, ob man nach dem Willen der SED handelte und bessere Zukunftsperspektiven hatte oder ob man sich gegen die SED wehrte.
Danach ging es zu den Zellen. Bevor ein Häflting hierher kam wurde sein Name mit einer Zahl ersetzt, so z.B. VR 26 IV für Verwahrungsraum 26 Bett 4. Die Zellen waren mit einem Fenster aus dicken Glasblöcken ausgestattet, nur mit einem kleinem Spalt für Luft, die Toilette war ohne jeglichem Sichtschutz schräg zu den, meist 3, Doppelstockbetten gerichtet. Ebenfalls gab es eine Isolationszelle mit schalldichten Wänden, in der man alleine für max. 2 Wochen gesessen hat. Diese Zelle war durch ein Gitter in zwei Teile geteilt, der eigentlichen Zelle, und der Toilette, sodass der Insasse auf sich aufmerksam machen musste. Außerdem gab es eine Duschzelle, in der der Wasserboiler so klein war, dass die meisten der Häftlinge, die nur 1 pro Woche und nur 10-15 min pro Zelle duschen durften, kalt duschen mussten. Der darin bestehende Psychoterror den die MfS betrieb sollte die Menschen so zugrunde richten, dass sie gefügig wurden. Zu dem wurden die Insassen regelmäßig beobachtet, z.B. durften sie am Tag nur stehen oder auf Hocker sitzen, im Bett durfte man nur nachts und in vorgegebener Liegeform sein, um diese Liegeform zu kontrollieren wurde sogar alle 20min das Licht in der Zelle an und wieder aus gemacht. Die Kontrolle hielt auch Einzug in die Essensausgabe, Kontakt mit Familie und Freunde, Zeit auf dem Hof.
Von 13:00 Uhr bis 14:00 Uhr hatten die Klassen gemeinsam ein Zeitzeugengespräch mit Herrn Ipolt über seine Zeit im Stasi-Gefängnis. In diesem Zeitzeugengespräch berichtete er, dass er verhaftet wurde, da er mit Kreide am 17. Juni 1978 die Worte: ,,Es lebe der 17. Juni!“ (17. Juni 1953) auf die Straße geschrieben hatte. Durch diese Worte machte er das MfS auf sich aufmerksam, wodurch er dann als politischer Häftling verhaftet wurde. Er erzählte uns auch von seiner Einberufung als Bausoldat nach Rügen, obwohl er schon Kinder hatte. Zwischendurch durften die Schüler an Herrn Ipolt einige Fragen stellen, womit mehr Details und mehr Licht an die ganze Sache kam.
Nochmal herzlichsten Dank an Herrn Ipolt für dieses tolle Gespräch!
Vincent Blödorn